Gin Bahc lebt und arbeitet als Konzeptkünstlerin in Karlsruhe und Paris. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Gustav Kluge und Marcel van Eeden, wo sie 2017 ihr Studium als Meisterschülerin abschloss. Die Beschäftigung mit gesellschaftliche Themen, das Verhalten von Menschen in ihrem sozialen Umfeld bilden die Grundlage für das künstlerische Schaffen von Gin Bahc.

Die zunehmende Medialisierung und der scheinbare Kontrollverlust des eigenen Lebens wird im Werk von Ihr hinterfragt. Anhand unterschiedlicher Dispositive werden Macht- und Kontrollstrukturen analysiert und finden Zugang in einer erweiterten Raumsprache. Entblößung und Verschleierung, Demütigung, Selbstbestimmtheit und Macht sind dabei wichtige Themen. Ihre Zeichnungen sind der Ausgangspunkt für Installationen und Per- formance, die den Rezipienten mit einer assoziativen Bilderflut konfrontieren.

Medien

Lehraufträge

  • Seit 2022 Lehrauftrag an der Kunsthochschule Kassel
  • 2022-2023 Projekt Schule+Kultur der Stadt Karlsruhe

Ausstellungen (Auswahl)

2022

  • Overrun Test, Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart, DE
  • Loss, JASON PLATFORM, Kopenhagen, DM
  • Gin Bahc, Badischer Kunstverein auf der art KARLSRUHE 2022, Karlsruhe, DE
  • Shame of Thrones. Kunstverein Worms, Worms, DE
  • „New York Style Pizza“, WERKstattPALAST_ato – Kunstplattform, Karlsruhe, DE
  • Salon de Refuse Round 2 ,Kunsthalle Darmstadt, Darmstadt, DE
  • Perfekter Zustand! ein körperloser Kuchen in einer Bowle, Orgelfabrik, Karlsruhe, DE

2021

  • Ping Pong, Museum für Neue Kunst Freiburg, DE
  • Love and affection, Künstlerhaus Karlsruhe, Karlsruhe, DE

2020

  • HOMEMADE 2020, Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe, DE
  • KONTINUUM, Kleine Humboldt Galerie, Berlin, DE
  • The Queer Appropriation, Cité internationale des arts, Paris, FR

2019

  • Step out! Aufbruch in den Raum, Kunsthaus Baselland, Basel, CH

2018

  • POSTMASTERS, Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, DE

2017

  • Höhenluft #14 Kunstverein Willhelmshöhe, Ettlingen, DE

2016

  • Visual Politics, Kunsthalle Palazzo Liestal, CH

2015

  • Olohuonenayttely, Helsinki, FI

Stipendien/Preise

2022

  • Projektstipendium zur Förderung künstlerischer Praxis II MWK Baden-Württemberg
  • NEUSTART KULTUR Stipendium (2022-SoPro2), Stiftung Kunstfonds
  • KUNSTBÜRO MENTORING mit KATRIN STRÖBEL, Kunststiftung Baden-Württemberg
  • NEUSTARTplus-Stipendium für bildende Künstler:innen, Stiftung Kunstfonds

2021

  • Projektstipendium zur Förderung künstlerischer Praxis I MWK Baden-Württemberg
  • Arbeitsstipendium E-LAB Urban Summer, E-Werk Freiburg
  • Projektförderung Bundesprogramm NEUSTART KULTUR: Innovative Kunstprojekte
  • Arbeitsstipendium Kunststiftung Baden-Württemberg

2019

  • Preisträgerin 24. Karlsruher Künstlermesse

2018

  • Arbeitsstipendium Cite Internationale des Arts in Paris

2017

  • Preisträgerin Graduierten-Stipendien des Landes Baden-Württemberg

Sammlung

  • Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, DE

Sonstige Tätigkeit

  • Seit 2022 – Als Künstler Teil der Kunstplattform ato GmbH (i.G.) (www.ato.vision)
  • 2020 – 2021 Vorstandsmitglied im BBK Karlsruhe

Artist Statement

Meine aktuelle Arbeit beschäftigt sich mit der Verbindung von Zeichnung, Installation und Performance. Als Künstlerin bin ich von reiner Malerei und Objekten zu offeneren und hybrideren Formen übergegangen. Ausschlaggebend dafür war auch die Zeit seit Beginn der Corona-Krise. Daher waren die Möglichkeiten, mich als Künstler zu zeigen, sehr begrenzt. In dieser besonderen Situation habe ich dennoch neue Arbeitsweisen entwickelt. Die damalige Situation veranlasste mich, über zukünftige Formen und Wege der Kunstaufnahme nachzudenken und die Frage, ob konventionelle Ausstellungen in Galerien und Museen in Zukunft noch dieselbe Rolle spielen werden. Der plötzliche Wandel im öffentlichen Raum und im eigenen Leben war auch ein Auslöser für die Hinwendung zur Performance, die Art und Weise, wie sich jeder an die neue Situation anpassen und ein neues Verhalten und eine andere „Performance“ in der Öffentlichkeit lernen musste. Ich interessiere mich für eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Evolution, der wissenschaftlichen Theorie dazu und den anderen religiösen Erzählungen. Das möchte ich im Kontext der aktuellen gesellschaftlichen Phänomene und Probleme ansprechen. Besonders interessant sind das typische Kontrollbedürfnis, das Stabilitätsbedürfnis und die daraus abgeleiteten kollektiven Psychologien und Machtstrukturen, die in fast allen Gesellschaften zu beobachten sind. Auf der anderen Seite steht die ständige Zufälligkeit und Unberechenbarkeit unseres Lebens, die Spontanität und Rücksichtslosigkeit unserer Reaktionen, die sich unserem Bewusstsein oft entziehen und uns oft lächerlich machen. Menschen sind vielfältige und fließende Wesen, die nicht spezifiziert werden können, aber um in einer Gesellschaft zu leben, werden sie kategorisiert, sie werden zu Schauspielern in einem Drama und mit einer bestimmten Rolle. Ich frage mich, wie und aus welchem Grund ein Mensch seine Rolle in der Gesellschaft bekommt oder ob er diese Rolle selbst wählt. Diese Wahl interessiert mich besonders. Ich frage mich, ob etwas wirklich eine Wahl sein kann, auch wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns ganz aus eigenem Antrieb entschieden haben. Im Moment werden wir von den Naturgewalten, dem Klimawandel und dem Coronavirus überwältigt. Wie kann Kunst in diesem Kontext funktionieren? Müssen wir auf sehr alte Probleme und Fragen zurückgreifen? Fragen zum Überleben und höheren Ordnungen?

Meine Arbeit wird ein unbewusstes Überbleibsel der Improvisation sein. Nach einer Performance enthalten die unbewusst gestörten Räume und Objekte manchmal so klare Bedeutungen wie beabsichtigte Installationskunst. Mich interessiert der Einfluss von Bewusstsein und Unbewusstheit auf die Arbeit des Künstlers. Manchmal gibt es sehr künstlerische Situationen, die gar nicht künstlerisch gestaltet und gewollt sind. Solche Fälle werden im Allgemeinen als kritisch für den Künstler angesehen. Dies liegt daran, dass der Künstler in der Lage ist, bewusst etwas zu erschaffen und zu teilen. Nicht nur in der Kunst, auch im menschlichen Leben hinterlässt dieses Thema noch große Fragen. Wir wissen, dass Menschen nicht alles unter ihrer Kontrolle planen und so leben können, wie es beabsichtigt ist. Als Menschen wollen wir jedoch immer etwas planen und beabsichtigen und das Ergebnis kontrollieren. Meine Arbeit ist eine Mischung aus verschiedenen Kunstformen: Objekte, Malerei, Performance, etc. Die gesamte Arbeit erfolgt in Form einer Installation mit Live-Elementen. Da mein Projekt auch teilweise der darstellenden Kunst ähnelt, und da ich während der Öffnungszeiten immer neben Musikern oder Schauspielern im Präsentationsort vor Ort sein werde, präsentiere ich ein Konzept, das einerseits mit der täglichen Arbeit zu tun hat und sich im Laufe der Ausstellung verändern kann, andererseits aber auch solide Elemente haben wird. Ich möchte, dass meine Arbeit sorgfältig kontrolliert und angepasst wird und dann darin lebendig wird oder sich bewegt (oder im Laufe der Zeit verfällt). Der Grund dafür ist, dass Kunstwerke, die von Lebewesen betreten werden, schwieriger zu kontrollieren sind als feste Kunstwerke. Die Besucher zerstören die Situation, die ich in kontrollierter Weise aufgebaut habe, mit ihren eigenen Absichten, die ich nicht kennen kann. Die Schwierigkeit der Kontrolle und Missverständnisse und Dissonanzen zwischen Lebewesen führen ironischerweise dazu, dass man nicht einsam ist. Es fühlt sich an, als würde es sich über meine eigene feste Welt und Kontrolle hinaus erstrecken. Die Arbeit, die ich machen möchte, ist die Kunstausstellung als feste Form zu studieren, Kunst als Aktion und Kunst als Schutt nach einer Aktion. Kunstausstellungen werden in der Regel über einen langen Zeitraum von 2 bis 4 Wochen permanent und stationär durchgeführt. Während dieser langen Zeit gibt es eine Zeit, in der die darstellenden Künste auftauchen, und es gibt eine Zeit, in der die darstellenden Künste verschwinden und alles, was übrig bleibt, Trümmer ist. Ich möchte die Kluft zwischen den beiden Situationen und der Kommunikation mit dem Publikum untersuchen. Meine Arbeit korreliert mit den Dingen, die draußen sind: Wo werden sie ausgestellt, wer schaut sie an, wie lange und was passiert dabei? All diese Dinge beeinflussen die Arbeit. Wie genau sich die unterschiedlichen Aktionsarten vermischen, aufeinander reagieren oder gar gemeinsam ablaufen, ist nicht abschließend geklärt: Da ich mich auch explizit mit dem Raum auseinandersetzen und meine unterschiedlichen künstlerischen Aktivitäten kombinieren möchte, entwickelt sich die Arbeit von hier aus noch weiter. Obwohl die Korrelation zwischen Absicht, Prozess und Ergebnis nicht synchron ist, gibt es eine klare und dynamische Kunstaktion und die Reste der Aktion (Ergebnisse) bleiben als Kunst erhalten. In gewisser Weise halte ich diese Situation für rein künstlerisch. In Wirklichkeit wird angenommen, dass es nicht die des Künstlers ist, sondern die des Publikums und der Kritiker, um Handlung und Trümmer aufzuklären. Ich denke, Kommunikation zwischen verschiedenen Absichten und Zwecken ist ein Fantasiewort. Meistens führen Missverständnisse Menschen in zufällige Beziehungen und nehmen Abenteuer und Herausforderungen an. Kommunikation ist etwas, das zwischen verschiedenen Wesen überhaupt nicht eindeutig erreicht werden kann. Und wenn es klar und ohne Missverständnisse zu 100 % austauschbar sein kann, dann gibt es keinen Raum für Kunst, sich in einer offensichtlichen Situation ohne ein solches Schlupfloch niederzulassen. Kunst entsteht in einer unerklärlichen, vagen Nische.